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Quelle:  DARMSTÄDTER ECHO und www.echo-online.de (vom 21.05.2011)

Emotionen mit Ball und Mikrofon

Handball – Der ehemalige Treburer Dennis Baier spielt in der Dritten Liga für Nieder-Olm und ist Kommentator bei Sport 1
VON HEIKO WEISSINGER
Schon mit acht, neun Jahren war Dennis Baier bei Sportübertragungen nicht vom Fernseher wegzubekommen. Fußball-Weltmeisterschaft, Olympische Spiele, Tennis mit Boris Becker und Steffi Graf – es gab kaum ein Großereignis, das der kleine Dennis in seinem Elternhaus in der Treburer Mozartstraße verpaßte. Noch mehr als die Sportler bewunderte er die Kommentatoren und ihre emotionalen Schilderungen. „TV-Sportreporter war schon immer mein Traum“, sagt der heute Fünfunddreißigjährige – und dieser Traum wurde schließlich über Umwege wahr.

Seit zwei Jahren arbeitet Baier als Kommentator und Interviewer für den Fernsehsender Sport 1 (ehemals DSF) bei Übertragungen von Spielen der Handball-Bundesliga. Bisher im Internet- und Bezahl-Fernsehen, in der an diesem Wochenende startenden neuen Saison auch im Free-TV.
Die Großen der Zunft wie Filip Jícha, Nikola Karabatic, Pascal Hens und Stefan Lövgren hatte Baier schon vor dem Mikrofon. Höhepunkt war für ihn bisher die Handball-WM2009 in Kroatien, wo er als Kommentator-Assistent für RTL Expertisen über Mannschaften und Spieler erstellte. Dies fiel ihm als Mann vom Fach leicht, schließlich spielt der gebürtige Treburer, der nun in Mainz wohnt, seit 15 Jahren hochklassig Handball.
Zu der Sportart fand der ehemalige Crossläufer (hessischer Vizemeister mit dem TV Trebur) im Alter von 15 Jahren über die Handball-AG des Rüsselsheimer Max-Planck-Gymnasiums. Mit 17 Jahren bereits durfte der Späteinsteiger in der Saison 1993/94 in der ersten Treburer Mannschaft auflaufen. Spielertrainer war damals Kai Schenkel, seit wenigen Wochen erneut Coach des TVT.
Nach dem Aufstieg von der Kreisklasse West in die zweite Bezirksliga 1997 kann Dennis Baier dem Angebot des in die Oberliga abgestiegenen TV Nieder-Olm nicht widerstehen, mit dem er nach drei Jahren Aufbauarbeit in die Regionalliga aufsteigt. Gleichzeitig lernt er Groß und Außenhandelskaufmann bei Mitsubishi.
„Unvergessenes Spiel“ vor 2200 Zuschauern
Auf jeweils einjährige Gastspiele bei den Regionalligisten SG Waldfischbach und TV Groß-Umstadt sowie beim Oberligisten TV Reinheim folgen 2004 bis 2007 „drei sehr schöne Jahre“ beim Regionalligisten TV Petterweil mit einem „unvergessenen Spiel vor 2200 Zuschauern in Saarlouis“. In dieser Zeit studiert er Sportwissenschaft in Mainz, packt 2005 seinen Magisterabschluß und lernt Uwe Semrau kennen, der als Handball-Kommentator bei DSF arbeitet und ihm die ersten Schritte zum Sportreporter ebnet. „Dass ich durch ihn mein Hobby zum Beruf machen durfte, hatte viel mit Glück zu tun“, sagt Baier.

Während seine berufliche Karriere vorankommt, läßt es der 1,94 Meter große Rückraumspieler in Sachen Handball erst einmal langsamer angehen. 2008 will er seinem Heimatverein TV Trebur im Abstiegskampf der Bezirksoberliga helfen, merkt aber nach einigen Spielen, „dass dem einen oder anderen der Abstieg nicht unrecht wäre“ – und hört auf.
2009 folgt der Wiedereinstieg beim TV Nieder-Olm. Und mit dem Aufstieg in die Dritte Liga erlebt die Karriere des mittlerweile zum reinen Abwehrspezialisten gereiften früheren Torjägers im Frühjahr dieses Jahres einen späten Höhepunkt.
Der „sensationelle Aufstieg“ ist der Grund dafür, dass Routinier Baier vom Rücktritt zurückgetreten ist und eine „definitiv letzte Saison“ Handball in Rheinhessen spielt. „Ich wollte mich eigentlich auf den Job konzentrieren, denn Fernsehen ist für einen Freien wie mich ein hartes Geschäft: keine Aufträge, kein Geld“, sagt Baier. „Aber die semiprofessionelle Dritte Liga hat mich noch mal gereizt.“ Deshalb schindet er sich mit seinen 35 Jahren regelmäßig im Fitnessstudio, um aus beruflichen Gründen verpasste Trainingseinheiten nachzuholen, und verbringt viel Zeit in Physiotherapie-Praxen: „Wenn man ein alter Mann ist, muss man viel tun.“
Sein Trainer Udo Henß ist voll des Lobes über den Routinier: „Er ist ein Spieler der alten Garde, der die jungen Mitspieler führt, sie aber auch mal zusammenstaucht. Kurzum, ein Führungsspieler, wie ihn Oliver Kahn beim FC Bayern vermisst.“ Baier steht dank seiner Erfahrung oft richtig zum Mann, kann das Spiel des Gegners lesen. Für Udo Henß ist er wie ein guter Wein gereift: „Ohnehin trifft sich im Handball die Kurve des körperlichen Verfalls mit der Kurve zunehmender Routine später als etwa beim Fußball.“
„Die Zweite Liga hätte ich mir zugetraut, sie wäre aber auch das Optimum gewesen“, antwortet Dennis Baier auf die Frage, ob er angesichts seines Talents nicht noch höherklassig hätte spielen können. Immerhin trainierte er während seiner Zeit in Reinheim vor zehn Jahren zwei-, dreimal in der Woche beim Bundesligisten TV Großwallstadt mit. Die Zweitligisten TV Hüttenberg und TV Gelnhausen waren an einem Engagement interessiert, doch im ersten Fall wurden sich die beiden Trainer nicht einig, im zweiten Fall stand Baier bereits beim TV Reinheim im Wort.
Rückkehr nach Trebur kommt nicht in Frage
Jetzt, wo sein früherer Spielertrainer Kai Schenkel wieder den TV Trebur anleitet, liegt ein Karriereende beim Heimatverein nahe, der Kreis würde sich schließen. Doch Dennis Baier wiegelt ab: „Der Kreis hat sich für mich schon geschlossen, indem ich wieder nach Nieder-Olm gegangen bin.“ Trebur und die Bezirksliga A böten sportlich keinen Reiz mehr für ihn als „Handballverrückten“, sagt Baier, der neben seinem Fernsehjob („Das ist keine Arbeit für mich, das ist Berufung“) stundenweise als Lehrer für Sport und Medienkompetenz am Theresianum in Mainz unterrichtet: „Um Spaß zu haben, brauche ich auch viele Zuschauer. Und die fehlen in Trebur.“
Früher hat Dennis Baier mit dem Handball die Ausbildungsvergütung aufgestockt und das Studium mitfinanziert, heute nimmt er nach eigenen Angaben kein Geld mehr. „Handball ist für mich nur noch Hobby. Und dabei genieße ich die Emotionen.“ Wie damals als Kind bei den Sportübertragungen vor dem Fernseher in der Mozartstraße.

Der Artikel über Dennis Baier bei Sport1 und in der 3. Liga hier als PDF

 

Moderation des „1. Praxisforum Handball“ in der Berliner Max-Schmeling-Halle 2012

praxisforum1

Am 8. Juni 2012 fand in der Berliner Max-Schmeling-Halle die Premiere des Praxis-Forum Handballs statt. Dennis Baier wurde nicht nur mit der Moderation dieses Events betraut, sondern führte auch Interviews und durch Expertenrunden. Hierbei ergaben sich über den Tag viele wichtige neue Ansätze für die zahlreich anwesenden Teilnehmer. Lesen sie hier gerne mehr.

Quelle: www.sportred.de/wp (19.03.2014)